17. Mai – Tag gegen Homo- und Transphobie

17. Mai - #IdahotOder warum ich mit auf der Straße bin.

Ich wurde nun mehr als einmal gefragt warum es denn überhaupt noch nötig ist auf die Straße zu gehen? Warum es NOCH eine Demo geben muss. Es gäbe doch schon den CSD. Diesen in so vielen Städten, und oft auch noch Straßenfeste und weiteres öffentliches Programm, wie dem KISS IN. Und es würde uns doch auch gut gehen. Warum also am 17. Mai noch mal auf die Straße?

Wo fange ich nur an? Es ist völlig richtig, in Deutschland geht es uns als Schwuler oder als Lesbe recht gut, auch als transsexueller Mensch kann ich hier leben. Das ist schon mal wundervoll. Die letzten Jahre hat sich in einigen Regionen von Deutschland das Bild aber wieder etwas geändert.

Ich selbst lebe in Berlin, und hier lebt man doch eher in einer künstlichen Blase. Wenn ich in der Szene der Stadt unterwegs bin, und in dieser vielleicht vor allem, dann mag ich das Gefühl haben, alles ist O.K. Wir sind ein normales und auch gewünschtes Mitglied der Gesellschaft, wir können sein wie wir wollen und müssen uns nicht verstecken. Ich kann mit meinem Partner verliebt durch die Straßen und Läden um den Nollendorfplatz laufen ohne das Gefühl haben zu müssen die Straßenseite wechseln zu wollen wenn mir eine Gruppe Jugendlicher entgegen kommt. In diesem Mikro-Kosmos scheint alles perfekt zu sein. Und wenn ich dann auch nur schwule oder lesbische Freunde habe, einen Job in dem ich mich nicht verstellen muss und wenn ich ausgehe, auch vor allen in Läden gehe die von uns, für uns gemacht sind, dann gebe ich zu, es geht uns wundervoll.

Wenn ich aber als junger Mann in Berlin Marzahn aufwachse, 15 Jahre alt bin, merke ich stehe vielleicht auf Männer, und dann eine Lehre im Baumarkt dort vor Ort mache, schaut es schon etwas anders aus mit der Offenheit und der Leichtigkeit. Hier habe ich schon wieder mit anderen Dingen und Erfahrungen zu kämpfen.

Lebt dieser junge Mann dann auch noch in einer anderen Stadt, vielleicht eher auf dem Land, wo der Großstadtdschungel weit weg, und der Schutz den so eine große Stadt, wie aber auch Berührungspunkte mit allen möglichen Menschen, bietet, dann wird es noch schwerer hier sich frei und leicht zu bewegen. Und wir sind immer noch in Deutschland. Ein Land in dem es gesetzlich möglich ist sich wegen seiner Sexualität nicht verstecken zu müssen. Nein, es gibt sogar ein Gesetzt, welches mir die Gleichberechtigung zusichert und mich vor Nachteilen daraus schützen soll.

Nur was nützt mir ein Gesetzt wenn es in den Köpfen meiner Gemeinde seit Jahrzehnten ein anderes Weltbild gibt? Was hilft es mir wenn ich in einem Umfeld groß werde in dem das Wort „Schwul“ nur als Schimpfwort und Beleidigung genutzt wird? Was hilft es mir wenn ich auf der Straße sehen muss wie meine Eltern, zusammen mit Lehren und Co auf die Straße gehen und gegen die „sexuelle Vielfalt“ im Unterricht an Schulen sind? Und sie mich damit wissen lassen schwul oder lesbisch zu sein ist nicht „normal“. Menschen aus meinem direkten Umfeld, Menschen die mich prägen, formen und auch Vorbild sein sollen. Aber sagen, so wie ich gerade denke, fühle und bin, bin ich nicht gut und richtig. Ich bin sogar krank und man müsse mir helfen. Helfen noch im besten Fall. Aber was ist dies für eine Botschaft mit der solche jungen Menschen groß werden müssen? Ein Zeit, in der sie ein stabiles Selbstwertgefühl aufbauen sollen. Eine Selbstsicherheit die sie den Rest ihres Lebens mittragen.

Und dann gibt es zwar das Gesetzt welches mir die Gleichberechtigung zusichern soll, dies ist aber in vielen Bereichen auch immer noch graue Theorie. Im Adoptionsrechtz.B., auch eine Ehe gibt es für mich und meinen Partner in Deutschland nicht, ich darf mich nur „eintragen“ lassen, ich habe Nachteile im Steuerrecht, usw.

Ich finde es wichtig, dass die Gesetzte hier angeglichen werden in Deutschland. Ohne Frage!

Aber auch deswegen gehe ich nicht nur auf die Straße. Den so wichtig es auch ist die Gleichberechtigung in Deutschland für alle Menschen zu fordern und sie auch erhalten zu wollen, ich finde es schon mehr als wundervoll, wir KÖNNEN diese Forderungen öffentlich stellen. Wir können auf die Straße gehen und sagen was wir möchten, was wir einfordern und was sofort angepasst werden soll. Wir DÜRFEN auf die Straße gehen, weil wir das Recht hier haben.

Aber in so vielen Ländern kann ich dies nicht. Da kann ich mir im privaten, alleine Zuhause vielleicht den Gedanken erlauben auf Männer als Mann zu stehen. Dars war es dann aber auch schon was ich ohne Gefahr machen darf. Ich kann dort nicht einmal auf die Straße gehen und sagen ich will ein schwules oder lesbisches Info-Zentrum haben. Ich wünsche mir eine öffentliche Anlaufstelle für Jugendliche die sich unsicher sind. Ich will eine „Homo-Bar“ besuchen, die nicht in einem dritten Hinterhof liegt, ich in einen Keller muss, ein Codewort vorher per SMS erhalten habe um an der Tür, einer Gegensprechanlage mit Video, dieses zu sagen um ein Bier trinken zu können. Mit Männern die vielleicht gleich sind wie ich. Und dies dennoch nur unter großer Angst und der Möglichkeit dafür ins Gefängnis zu kommen und verurteilt zu werden.

Ich kann dies all nicht, weil ich als homosexueller Mann in diesen Ländern strafrechtlich verfolgt werden kann, und dies auch oft werde. Alleine nur weil ich Schwul bin. Das reicht. Ich habe keine Steuern hinterzogen, keinen Überfallen oder Schlimmeres. Ich bin einfach Schwul. DAS reicht um Verurteilt zu werden. In 7 dieser 70 Länder wo ich als homosexueller nicht einmal öffentlich ohne Angst vor dem Gesetzt leben kann, kann ich auch dafür zum Tode verurteilt werden.

Dies sind aber nicht nur Länder von denen man noch nie etwas gehört hat. Es sind auch Länder dabei die wir als Urlaubsland kennen, oder bereisen wollen. Z.B. in Sri Lanka, Marokko oder Tunesien. In all diesen Ländern können homosexuelle Handlungen bestraft werden. Vielleicht „nur“ eine Geldstrafe, wenn die Menschen dort Glück haben. Vielleicht MÜSSEN sie aber auch ihr Leben deswegen aufgeben. Diese Menschen können dort sich nicht einmal erlauben so etwas wie eine Ehe einzufordern oder eine Gleichbehandlung auf der Arbeitsstelle bei Beförderungen. Sie dürfen als schwuler Mann oder lesbische Frau nicht einmal öffentlich und ohne Angst vor dem Staat zu ihrer Liebe stehen. Dies finde ich widerlich und Menschenverachtend.

Ich gehe also an einem 17. Mai nicht nur für uns in Deutschland auf die Straße, auch wenn es hier noch vieles gibt was man ändern kann. Ich gehe auf die Straße weil es so viele Menschen auf dieser Welt gibt, die es nicht können. Die es sich nicht erlauben können, ohne viel Schmerz und gesetzliche Willkür Forderungen stellen zu können. Ich möchte so auch zeigen, „Ihr seit nicht alleine. Wir wissen ihr seit da und wir machen auch auf die Zustände in eurem Land aufmerksam.“

Den ja, es geht und recht gut in Deutschland, und ich finde dies wundervoll. Dank einiger Vorreiter in der Vergangenheit können wir heute recht frei in einer Stadt wie Berlin leben. Und wenn wir nur in der Szene uns bewegen, dann ist es fast so, als würden nur noch wenige Kleinigkeiten fehlen um alles perfekt zu machen. Sobald ich aber die Szene, die Großstadt, verlasse schaut es schon anders aus.

Und solange ich E-Mails aus Deutschland von Jugendlichen bekomme die nicht mehr weiter wissen weil sie von ihrer eigenen Familie vor die Tür gesetzt werden, weil sie sich geoutet haben, mitten in Deutschland, weiß ich, auch hier gibt es noch einiges zu verändern. Zuerst in den Köpfen der Menschen. Denn die Ignoranz und die häufig auch weltfremde Anschauung des eignen Umfeldes macht es nach meiner Ansicht schwer überall frei und gleichberechtigt zu leben.

Und hier kann ein Tag wie der 17. Mai sehr helfen. Ein Tag der aufmerksam machen soll, der informieren soll, der einfach nur zeigen soll „Es gibt uns, wir sind da, wir wollen da sein, wir tun keinem was. Und wir sind vor allem nicht kriminell weil wir lieben.“.

Dies hilft nicht nur uns hier in Deutschland, sondern überall, um aufmerksam zu machen. Auf die Situation hier bei uns, aber eben auch, und des finde ich sehr wichtig, auf Länder und Regionen in denen die Menschen noch einmal mit ganz anderen Situationen, Sorgen wie Ängsten zu kämpfen haben.

Mir geht es hier recht gut. Ich DARF mich frei bewegen; vom Gesetzt her. Es geht aber auch um die Länder in denen das Händchenhalten in der Öffentlichkeit, mit meinem gleichgeschlechtlichen Partner, mich das Leben kosten kann.

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Dieser Text ist meine persönliche Meinung. Es wurde nun nicht noch einmal Korrektur gelesen. Es war mir nur eben eine Herzenssache ihn zu schreiben. Er ist an vielen Stellen eher auf Schwule bezogen, da ich es selbst bin, und mir dieses Leben einfach näher ist. Die Sorgen haben aber natürlich auch Lesben und Transsexuelle.

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